Strukturwandel im Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet hat sich in der Zeit von 1850 bis heute (besonders in der Schwerindustrie, der Chemischen Industrie und in der Montanindustrie) sehr stark verändert.
1850 begann in Deutschland, deutlich später als im restlichen Europa, der Industrielle Aufstieg. Es wurden innerhalb von 50 Jahren 200 mal so viele Arbeitskräfte eingestellt. Der Aufschwung der Industrie kam daher, dass vermehrt Kohle und Stahl abgebaut wurde. Das Ruhrgebiet eignete sich besonders gut, da in der nähe ein Fluss (die Ruhr) fließt, auf welchem man die Erzeugnisse verschiffen konnte. Durch neue Technologien im Bereich der Eisenbahn wurde die Logistik noch weiter verbessert. Auch das Thomasverfahren half Weltmarktführer (davor war es England) zu werden. Denn durch das Thomasverfahren war es möglich, dass im Stahl kein Phosphor mehr enthalten war, welches das Stahl brüchig machte. Dies war natürlich auch ein Vorteile für Kriege, da sich mit einer besseren Stahlqualität bessere Waffen oder ähnliches herstellen ließen.
Die Förderung von Stahl und Steinkohle war besonders nach dem Zweiten Weltkrieg sehr bedeutend. Und auch danach war es weiterhin ein wichtiger Wachstumsträger zum Wiederaufbau der Wirtschaft. Also wurde die Energieversorgung durch Steinkohle gefördert, indem mehr Arbeiter eingestellt wurden.
1855 wurde in Essen das erste Gaswerk gegründet, welches aus der Kohle Leuchtgas herstellte. Der Durchbruch kam kurz nach 1900 durch den Steinkohlebergbau an der Lippe. Ein weiterer Hauptindustriezweig war die Kohlechemie, die die Vorraussetzung hatte, dass viele Erfindungen und technische Fortschritte im Bergbau gemacht wurden.
1937 wird die Steinkohle-Elektrizitätswirtschaft (STEAG) gegründet. Der Bergbau und die Nutzung des Grubengases hingen ab diesem Zusammenschluss unmittelbar zusammen.
Am 9. Mai 1938 wurde dann das chemische Werk Hüls (CWH), der größte Chemiebetrieb im Ruhrgebiet gegründet.
Und noch heute ist das Ruhrgebiet Deutschlands größter Energieproduzent und auch große Konzerne wie die RWE, die RAG und E.ON Ruhrgas bestehen noch
1960 begann dann eine Krise, die zuerst nur den Steinkohleabbau, später dann auch die Stahlindustrie betraf. Aufgrund dieser Krise wurde die Kohleförderung, aber auch die Stahlgewinnung stark reduziert. Die Gründe für die Stahlkrise waren zum Beispiel, dass immer mehr Länder in der Lage waren Stahl herzustellen, außerdem hatten Billiganbieter zum Beispiel aus Japan, Korea, Brasilien, Nigeria oder Indien die Möglichkeit weitaus günstiger zu produzieren. Natürlich war auch die Verdrängung des Stahls durch andere Materialien, wie zum Beispiel Kunststoff oder Keramik Schuld daran, dass der Stahl nicht mehr benötigt wurde und somit eine Überproduktion entstand. Infolge der Überproduktion und anderer Gründe ging der Absatz zurück, weshalb viele Arbeiter ihren Arbeitsplatz verloren (die Zahl der Beschäftigten sank in der Stahlindustrie um 250.000).
Weitere Folgen der Stahlkrise war die Standortverlagerung (es gibt heute nur noch sieben Hochöfen, die sich alle in Duisburg befinden) und die Schließung unzähliger Stahlwerke (die Zahl der Zechen sank um 113). Die Reaktion der Beschäftigten in den Stahlwerken des Ruhrgebiets waren zum Beispiel Proteste, wie die Sperrung einer Autobahnbrücke.
Auswege waren die Versuche die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, in dem die Stahlunternehmen versuchten die Qualität des Stahls noch weiter zu verbessern, das Problem war, dass es sehr teuer war (zum Beispiel das Thomasverfahren). Die Europäische-Kommission versuchte die Quoten zu regulieren, aber auch hier gab es ein Problem, nämlich das die Verstöße gegen den Subventionskodex in anderen Ländern nicht geahndet wurde und somit das Ruhrgebiet weiterhin benachteiligt war. Auch ein Ausweg war die Verlagerung der Hütten an kostengünstigere Standorte, auch da gibt es ein Problem, denn dort, wo die Hütten geschlossen werden, gibt es mehr Arbeitslose.
Die Lösung war die Veränderung der Produktionsstruktur (zum Beispiel dass die Stahlkonzerne den Stahl weiterverarbeiten…)
Aber auch die Kohleförderung sank von 1950 bis 2004 um 80%.
Insgesamt hat in der Montanindustrie die Zahl der Beschäftigen hat um 90% abgenommen und Zahl der Schächte von 153 auf 7.
Auch fielen viele Arbeitsplätze wegen der Rationalisierungsmaßname und der Automatisierung der Kohlegewinnung weg (somit wurde die Produktion pro Beschäftigten erhöht). Und viele Schächte mit ungünstigen Lagerungsverhältnissen wurden aufgegeben.
Da die Krise bis 1969 noch nicht behoben wurde, wurde die „Ruhrkohle AG“ gegründet.
Unter der Mitwirkung des Staates wurden  26 Bergbaubetriebe aus alten Gesellschaften zu einer Aktiengesellschaft zusammengelegt, welche zur Hilfe Programme vom Staat, zum Beispiel eine Zollerhöhung von Importkohle oder die Einführung von Heizöl- und Mineralölsteuer nach sich brachte.
1977 wurden weitere Verträge, wie der „Kohle-Strom-Vertrag“ (zwischen Gesamtverband des deutschen Steinkohlebergbaus und der Elektrizitätswirtschaft) abgeschlossen, welches 1997 das „Gesetz zur Neuordnung der Steinkohleverstromung“ abgelöst wurde.
2005 versichert der Bergbau dann eine Senkung der Förderkapazität und es wurden die deutschen Steinkohlebaubetriebe zusammengeführt, trotzdem ist die Ruhrkohle auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig, weil Importprodukte günstiger sind (133 Euro/t Ruhrgebiet – 50 Euro/t USA).
Bis in die 1970er Jahre waren die Strukturbestimmende Branchen: Steinkohle, Eisen-schaffende Industrie und die Kohlechemie (heute ist es die Petrochemie).
Nach dem Einbruch in der Montanindustrie waren die Maßnahmen die Bestandspflege, die Förderung von Folgeindustrien, die Ansiedlung von „Ruhrfremder“ Industrie (Wie zum Beispiel Opel…) und das Einrichten von Industrieparks. Der Konzern Opel ließ sich in Bochum nieder, weil zum einen die Stahlindustrie in der Nähe war und zum anderen die Logistik sehr gut ausgebaut war und natürlich viele Arbeitskräfte arbeitslos waren, welche vorher in den jetzt geschlossenen Zechen gearbeitet hatten.
Die Folgen waren, dass die neuen Technologien eine Wandlung der Produktionspalette (Herstellung anderer Produkte) nach sich zog und somit das Ruhrgebiet wieder „das Wirtschaftszentrum“ ist, nicht zuletzt, wegen der Universität, der Fachhochschule und natürlich dem Technologiezentrum Ruhr, aus welchem neues Personal nach sehr guter Bildung sofort als Fachkraft in die Konzerne gehen kann.
Auch ein sehr wichtiger Grund zu dem Wandel, den das Ruhrgebiet hinter sich gebracht hat, ist der eindeutige Trend zur Tertiärisierung (Tertiärisierung bedeutet: Das Sinken der Beschäftigtenzahlen und des BIPs im sekundären Sektor und statt dessen die Zunahme des BIPs und der Beschäftigten im tertiärer Sektor. Denn der sekundäre Sektor (der produzierende Sektor, der Industrie und Handwerk … einschließt) sank von 1970-2004 von 58% auf 26%, der tertiäre Sektor (der Dienstleistende Sektor, zu dem zum Beispiel der Handel, Verkehr, die Verwaltung, das Bildungswesen, Ärzte oder Rechtsanwälte gehören) aber in der selben Zeit von 39% auf 74% (Anteil der Beschäftigten) gestiegen ist.
Zusammenfassend ist zu sagen das der Strukturwandel im Ruhrgebiet den Einbruch der Montanindustrie und die Zunahme der Dienstleistungen beschreibt.
Trotzdem stellt Deutschland die Kohleindustrie nicht ganz ein, da Deutschland sich nicht von Energieliefernationen wie Russland (oder der Ukraine) abhängig machen möchte.