Mikrokredite

Auch nach dem 5. Jahrestages der Verleihung des Friedensnobelpreises an Gründer der Grameen Bank Mohammed Junus, wird wieder einmal über die sogenannten Mikrokredite diskutiert. Frage ist hierbei, ob sie tatsächlich, wie erwartet, eine große Rolle zu Armutsbekämpfung beisteuern.

Mikrokredite, auch Kleinstkredite genannt, sind Kredite für die ärmsten Bevölkerungsschichten, die keine Kredite von normalen Finanzinstitutionen erhalten würden. Diese Mikrokredite sollen von Armut betroffenen Kleinstunternehmern oder Kleinstbauen helfen, in ihre Familienbetriebe zu investieren um so aus ihrer Subsistenzwirtschaft herrauszukommen, welche häufig nur ein schwieriges Überleben bietet.
Es wird dabei ein Kredit von je nach Gebiet durchschnittlich etwa 50 bis 1500 Dollar an eine Gruppe geliehen.

Der Kredit soll meist in einem Zeitraum von sechs Monaten zurückgezahlt werden. Aus diesem Grund ist eine schnell realisierbare Geschäftsidee ausdrücklich erwünscht. Diese Gruppen könnte in finanziellen Engpässen eines Mitgliedes für dieses einspringen. Außerdem entsteht in dieser Gruppe ein Druck, dass jeder seinen Teil des Kredits rechtzeitig bezahlt.
Erfinder ist der aus Bangladesch stammende Bankfachmann Mohammed Junus. Für die „Bemühungen zur Erzeugung von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung von unten“ (norwegisches Nobelkomitee) erhielt Junus als auch zur Hälfte die von ihm gegründete Grameen-Bank 2006 den Friedensnobelpreis.
Die Meinungen, ob Mikrokredite sich positiv oder negativ auf die Armutsbekämpfung auswirkt unterscheiden sich grundlgend.
Kritiker sehen in dieser Idee weniger ein Allheilmittel zur Bekämpfung von Armut als eine Idee, die noch weiter in die Armut hineinführt.
Häufig bieten Finanzunternehmen in Armut lebenden Personen einen Kredit an, ohne ihnen zu erklären wie sie daraus Gewinn machen können. Diese sind nur an ihrem eigenen Gewinn interessiert.

Die Kreditnehmer nehmen das Geld um einen finanziellen Engpass, verursacht aus eine Krankheit oder durch Preisanstiege für Nahrungmittel, auszugleichen. Auch wenn kurzfristig Abhilfe geschaffen ist, wird nicht in eine Möglichkeit investiert, Arbeit zu schaffen, um das geliehene Geld zurückzahlen zu können. Die ohnehin armen Kreditnehmer müssen sich noch höher verschulden, um die Zinsen zahlen zu können. In manchen Fällen kann eine Schuldknechtschaft daraus resultieren, Frauen zur Prostitution gezwungen werden oder im schlimmsten Fall kann es sogar zu einem Selbstmord kommen. Denn durch Tod des Kreditnehmers gelten die Schulden als getilgt, wenn auch der Familie durch eine fehlende Arbeitskraft noch weiter verarmt.
Wenn jemand etwa durch eine plötzliche Krankheit die Zinsen nicht bezahlen kann, springt meist die Gruppe ein. Bei einem längeren Ausfall, kommt es durch einen starken Druck aus der Gruppe ebenfalls zu oben genannten Folgen, wie Prostitution oder gar Selbstmord.
Außerdem kommt es laut Kritikern maximal zu einer Verbesserung der Lage der eigenen Familie, nicht aber zu einem Aufschwung einer Region. Auch helfen Mikrokredite nicht zur Verbesserung von Bildung, Gesundheit oder Infrarstrucktur.
Neben diesen Kritikpunkten gibt es durchaus positive Meinungen zu der Idee der Mikrokredite. Durch Mikrokredite können Arbeitsplätze geschaffen werden. Aus der vorherigen Subsistenzwirtschaft entsteht ein Kleinstunternehmen und die Möglichkeit eines Wirtschaftswachstums ist gegeben, was sich wiederum in beispielsweise einer besseren Infrarstrucktur auswirkt.
Denn in den meisten Fällen fehlen nur Kleinstbeträge als Startkapital. Ideen und Fähigkeiten zur Umsetzung sind vorhanden. Ist erst einmal ein Anfang gemacht, kann die Familie weitere Kredite aufnehmen, um das Kleinstunternehmen auszubauen.

Hat sich eine Familie aus dem Teufelskreis der Armut befreit, können die Kinder sogar zur Schule gehen. Ein weiterer Vorteil von Mikrokrediten wäre laut Nopelkomitee, dass durch eine verringerte Armutsrate ein beständiger Frieden entstehen würde und so eine Demokratie und verbesserte Menschenrechte gefördert würden.
Vor allem aber führen Mikrokredite zu einem selbstbestimmteren Leben der Frau. Die Frau hat in vielen von Armut betroffenen Ländern eine sehr geringe Stellung. Sie ist für den Haushalt, die Kinder und die Ernährung zuständig. Durch eine eigene Arbeit, die sie selbst bestimmen kann gewinnt sie an Ehre und Selbstbewusstsein und erreicht eine Gleichstellung, wenn nicht sogar eine höhere Stellung als der Mann.
Die positivste Fall von Mikrokrediten wäre, wenn eine win-win Situation entsteht. Wenn also sowohl die Kreditnehmer durch eine sinnvolle Verwendung des Geldes einen Vorteil schöpfen, als auch die Finanzinstitution durch die Zinsen profit macht.
Die Idee solcher Mikrokredite ist also generell gut. Leider gibt es nicht nur soziale Institutionen, sondern auch solche, deren der Gewinn wichtiger ist. Diese Unternehmen nehmen zum Beispiel noch höhere Zinsen, als eigentlich gedacht. Der Normalfall leigt zwischen 30 bis 60 Prozent, örtlich schwankend. Zusätzlich werden Geldeintreiber zu denen geschickt, die nicht rechtzeitig zahlen und die Polizei durch Schmiergelder untätig werden lassen.
Die Idee der Mikrokredite wird also nicht richtig angewendet. Die Kreditnehmer werden nicht beraten, was sie mit ihrem Geld zu machen haben, um Profit zu machen, sondern sich selbst überlassen. Dies führt zu einer Verschlechterung der vorherigen Situation und ist nicht der Sinn von Mikrokrediten.

Um die Branche nicht also durch auf Profit basierende Institutionen in Verruf kommen zu lassen, muss eine bessere Transparenz geschaffen werden. Kreditnehmer könnten so nicht mehrere Kredite bei verschiedenen Banken auf einmal aufnehmen oder einen zweiten Kredit um den ersten zu bezahlen aufnehmen, da diese Daten zentral gespeichert werden. Dies könnte eine Bankaufsicht dementsprechend regulieren.

Mikrokredite sind also nur sinnvoll, wenn sich um die Kreditnehmer von seitens des Finanzunternehmens gekümmert wird und nicht nur auf Profit aus ist. Trotzdem ersetzen Mikrokredite keinsfalls Entwicklungshilfe. Um Mikrokredite anwenden zu können, muss es Beratungen und Schulungen geben und Alphabetisierungskursesollten angeboten werden. Außerdem sollte eine Überwachung des Handelns der Kreditnehmer überblicksweise stattfinden. Ist dies alles gegeben, spricht vieles für eine  Ausstieg aus der Armut für die betreffenden Personen. Nie kann aber eine Region, geschweige denn ein ganze Land durch solche Mikrokredite an Reichtum gewinnen. Trotz allem ist mit jedem Menschen, dem durch solch ein Konzepten besser überleben kann, geholfen.