Kritik an Entwicklungshilfe und mögliche Problemlösungen

Zurzeit werden viele Länder durch Entwicklungshilfe gefördert. Diese hat jedoch nicht nur positive Seiten. Kritikpunkte lassen sich sowohl auf Geber-, als auch auf Nehmerseite finden.

Der Hauptkritikpunkt auf Seiten der Nehmerländer ist die starke Korruption und die fehlende Demokratie, die in diesen Regionen vorherrscht bzw. fehlt.
Viele Politiker nutzen die Gelder, die aus der Entwicklungshilfe stammen, um „Landgrabbing“ zu betreiben.

Hierbei beauftragen sie skrupellose Helfer, die Land- und Hausbesitzer bedrohen und von ihrem Grundstück vertreiben, damit die Eigentumsverhältnisse neu geklärt werden können.

Somit erlangen sie Grundstücke, die zum Teil mit den Jahren enorm an Wert zugenommen haben.
Darüber hinaus werden die Entwicklungsgelder genutzt, um die Polizei oder sogar die Justiz zu bestechen. So half die Polizei dabei, eine Schule, die in Kenia mit Hilfe von Spendengeldern gebaut worden war, zu zerstören.
Allgemein fehlt es an Transparenz, sodass Gelder einfach verschwinden und niemand mehr in der Lage ist, diese zurück zu verfolgen.

Durch das Fehlen einer Demokratie haben die Menschen keine Möglichkeit, sich gegen die skrupellosen Politiker und ihre Handlanger zu wehren.
Diese Umstände könnten geändert werden, indem man den Nehmerländern keine Gelder als Entwicklungshilfe zuspricht, sondern direkt in den Bau von zum Beispiel Schulen oder die Infrastruktur investiert, sodass die Politiker über keinerlei Kapital verfügen, um Behörden oder einzelne Personen zu bestechen.
Im Falle der fehlenden Demokratie wäre es sinnvoll, mit Hilfe von ausgebildeten Fachkräften direkt vor Ort eine Demokratie nach dem Vorbild der Geberländer aufzubauen.

Den Menschen würde somit die Möglichkeit gegeben, ihre Regierung zu wählen und sicher zu sein, dass diese Regierung alles daran setzt, die Situation des Landes zu verbessern.
Ein weiterer Kritikpunkt, der direkt die Nehmerländer betrifft, ist die Einstellung der dortigen Politiker gegenüber der Entwicklungshilfe. Diese sehen sie als eine stete Einnahmequelle, die auch dann nicht versiegen wird, wenn sie nichts für die Verbesserung der Situation des Landes tun.

Dies gilt jedoch nicht nur für die Politiker, sondern auch für die einfache Bevölkerung. Viele Bauern verkaufen alle in der Landwirtschaft erwirtschafteten Erzeugnisse auf dem örtlichen Markt, ohne Saatgut für das nächste Jahr zurück zu behalten, weil sie fest mit den Nahrungsmittelhilfen aus den Industriestaaten rechnen und diese auch bekommen.
Diesem Denken kann entgegen gewirkt werden, indem die Geberländer die Entwicklungshilfe auf eine bestimmte Anzahl von Jahren befristen. Politiker und Bevölkerung der Nehmerländer wären somit gezwungen, für die Zeit, in der das Land keine Entwicklungshilfe mehr erhält, vorzusorgen. Ist das Land nach Ablauf der Frist nicht in der Lage, auf eigenen Beinen zu stehen, könnte die Entwicklungshilfe für einen kurzen Zeitraum verlängert werden.

Zum Teil kommt es jedoch auch vor, dass mögliche Nehmerländer Entwicklungshilfe komplett ablehnen, um nicht in die, wie sie es empfinden, Opferrolle zu verfallen und in eine Abhängigkeit von den Geberländern zu geraten.
Der Punkt der Abhängigkeit von den Geberländern mag durchaus gerechtfertigt sein, da viele Geberländer nicht nur die Verbesserung der Situation der Nehmerländer anstreben, sondern sich zugleich einen wirtschaftlichen Vorteil durch zum Beispiel günstige Arbeitskräfte erhoffen.
Diese Geberländer scheinen zwar auf den ersten Blick zu helfen, beuten die Nehmerländer aber lediglich aus und nehmen ihnen so die Chance, wirtschaftlich stärker und dann unabhängig von Entwicklungshilfe zu werden.
An diesem Punkt sollten Unternehmen, die in Entwicklungshilfe investieren, stärker kontrolliert werden.
Dennoch ist die Einstellung, Entwicklungshilfe abzulehnen, um nicht in die Opferrolle gedrängt zu werden, sehr engstirnig. In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass die Nehmerländer aus eigener Kraft einen wirtschaftlichen Aufschwung nicht schaffen können. Sie sind also auf Hilfe von außen angewiesen.
Diese Einstellung der Nehmerländer kann nur mit viel Engagement der Geberländer zum Positiven hin verändert werden. Dies kann zum Beispiel an Hand von Gesprächen passieren, in denen man den erfolgreichen Einsatz von Entwicklungshilfe zum Beispiel durch den Marschallplan aufzeigt. Dieses Gespräch sollte aber zugleich auch alle Vor- und Nachteile der Entwicklungshilfe aufzeigen, damit es den potenziellen Nehmerländern überlassen wird, ob sie die Entwicklungshilfe weiterhin ablehnen oder doch in Anspruch nehmen wollen.
Maßgeblich verantwortlich für das häufige Scheitern von Entwicklungshilfe ist das Behindern der Hilfsmaßnahmen vor Ort durch Regime, die Entwicklungshilfe zwar zulassen, den Helfern aber zugleich vorschreiben, wie sie diese zu leisten haben. Meistens sind die Helfer dann nicht mehr in der Lage, effektiv zu helfen.
Behinderungen treten weiterhin durch kriminelle Banden auf, die die Helfer überfallen oder, wie oben bereits erwähnt, neu gebaute Gebäude wie Schulen niederreißen und in Trümmern zurück lassen. Den Helfern bleibt nichts anderes übrig, als sich zurück zu ziehen, um ihre Sicherheit nicht zu gefährden oder ihre Zeit auf den Wiederaufbau von solchen Gebäuden zu verwenden, obwohl sie bereits an einem anderen Projekt hätten arbeiten können.
Die Behinderung durch Regime könnte durch das Einführen einer Demokratie wie oben beschrieben beseitigt werden. In den meisten Fällen stellt sich dies jedoch als sehr schwer heraus und Helfer und Hilfsorganisationen müssen sich aus den Regionen zurück ziehen, ohne den dort hilfsbedürftigen Personen geholfen zu haben.
Das Problem der kriminellen Banden, die die Helfer überfallen, könnte durch ein Aufstocken von Personen, die die Gruppe von Helfern begleiten, gelöst werden. Durch diese Maßnahme könnten zugleich Einheimische direkt in die Entwicklungshilfe mit eingebunden werden.
Des Weiteren kann die unzureichende Kommunikation zwischen Geber- und Nehmerländern für das häufige Scheitern der Entwicklungshilfe verantwortlich gemacht werden. Viele Helfer kommen in das hilfebedürftige Land und finden Krisensituationen vor, von denen sie noch nichts wussten oder sie werden von Bräuchen der Einheimischen überrascht, die ein Zusammenarbeiten unmöglich machen.
Um dieses Problem zu lösen, muss eine engere Zusammenarbeit der Nehmer- und Geberstaaten stattfinden. Zu diesem Zweck könnten die Geberländer einen Beauftragten aus dem eigenen Land im Nehmerland unterbringen, der als Korrespondent dient. Weitaus besser wäre es jedoch, wenn ein Korrespondent, der direkt aus dem Nehmerland stammt, gefunden werden könnte. Dieser kennt sich einwandfrei mit der Situation vor Ort aus und kann später auch zwischen Helfern und Einheimischen vermitteln.
Der oben genannte Punkt leitet über zu den Kritikpunkten an Entwicklungshilfe, die die Geberländer betreffen.
Nach der Studie „Fortschritt für Kinder“ des Kinderhilfswerkes der Vereinten Nationen, UNICEF, habe sich die Situation vieler Kinder in den vergangenen Jahren zwar deutlich verbessert, aber die Hilfen würden oft nicht diejenigen erreichen, die diese am meisten nötig hätten („UNICEF kritisiert Kluft zwischen Arm und Reich“; Spiegel; 07. September 2010).
Demnach würden die Geberländer zwar Hilfe leisten, aber an den falschen Stellen und somit die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr vergrößern.
Um dem entgegenzuwirken, ist es sinnvoll nicht nur zu versuchen, möglichst viele Familien zu erreichen, sondern auch auf die Bedürftigkeit der einzelnen zu achten. Dies kann durch Gutachter, die vor der Entsendung der Hilfe in das Nehmerland reisen und Gutachten erstellen, geschehen.
Problematisch hierbei ist jedoch, dass nicht jede einzelne Familie begutachtet werden kann, da dies sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und mit enormen Kosten verbunden ist. Man kann lediglich die Zahlen verschiedener Regionen vergleichen und daraufhin entscheiden, welche dieser beiden Regionen hilfsbedürftiger ist.
Weiterhin sollten die Geberländer nicht Entwicklungshilfe in Form von Geldern leisten, sondern direkt in den Bau von zum Beispiel Schulen oder in die Verbesserung der Infrastruktur investieren.
Sie sollten demnach nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ handeln. Durch dieses Prinzip werden die Nehmerländer nicht in Versuchung geführt, die Gelder für andere Zwecke zu benutzen und die Bevölkerung wird in die Lage versetzt, für ihren Lebensunterhalt selbst aufkommen zu müssen.
Als weiterer Punkt sollte angesprochen werden, dass viele Geberländer nicht das einhalten, was sie den Nehmerländern versprochen haben.

Beispielhaft hierfür ist Deutschland.
2005 hatten die sieben führenden Industriestaaten ein Hilfspaket für Afrika beschlossen. Nach diesem Beschluss sollten die 17.5 Milliarden Dollar für besonders arme Länder südlich der Sahara vom Jahr 2004 schrittweise auf 35.7 Milliarden Dollar im Jahr 2010 erhöht werden.
Deutschlands Anteil betrug hierbei 6.7 Milliarden, es zahlte aber tatsächlich nur die Hälfte. Somit waren die G-7-Staaten nicht in der Lage, ihre finanziellen Zusagen an Afrika einzuhalten („Afrika-Versprechen verfehlt“; Der Spiegel; 2011).
Um ein solches Dilemma nicht noch einmal zu erleben, sollten die einzelnen Geberstaaten nur Ziele festlegen, die für sie realistisch sind und die sie auch einhalten können, um eine Verschlimmerung der Situation in den Nehmerländern, die durch das Ausbleiben der versprochenen Gelder, die bereits fest eingeplant waren, zu verhindern.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die größten Probleme der Entwicklungshilfe in der fehlenden Transparenz, der hohen Kriminalität und der falschen Mentalität der Politiker in den Nehmerländern liegt. Aber auch die Geberländer haben zum Teil Schuld am häufigen Scheitern der Entwicklungshilfe. Durch unspezifisches Verteilen der Gelder werden einzelne Personengruppen nicht erreicht und es kommt zu einer Vergrößerung der Kluft zwischen Arm und Reich.
Um diese Probleme zu beseitigen, sollte Entwicklungshilfe auf eine bestimmte Anzahl von Jahren befristet werden und es sollte auf die Bedürftigkeit der einzelnen Menschen geachtet werden. Des Weiteren sollte eine engere Zusammenarbeit zwischen Nehmer- und Geberländern stattfinden.